Zur Rendite gibt es keine Alternative TA 8.11.2006
Alle schwärmen von der letzten alternativen Ecke, die das Sulzerareal in Winterthur belebt.
Doch was allen lieb ist, rentiert nicht - und muss deshalb weg.
Von Niels Walter
Winterthur. - Auf dem Sulzerareal sieht es da und dort schon so aus wie im modernen Zürich West und in Neu-Oerlikon: grosse Wohnbauten, grosse leere Plätze, grosse Lofts mit grossen, hermetisch abgedichteten Fenstern. Überhaupt viel Glas, da und dort adrette Bäumchen, ab und zu ein Mensch. Einen schicken Weinladen gibt es, eine trendige Bar auch, Euro-Spar-Supermarkt und Jumbo-Baumarkt sind geplant. Modernes Leben, wo man hinblickt.
Sulzer und die Stadt Winterthur präsentieren das grösste zusammenhängende Industrieareal der Schweiz gerne als «neue Stadt in der Stadt» - auf Rundgängen und in Broschüren. Wenns aber darum geht, das pralle Leben vorzuzeigen, das Charmante, Verruchte und Improvisierte, dann werben die Vermarkter mit dem Lagerplatz, jenen 46 000 Quadratmetern beim Gleisfeld vor dem Hauptbahnhof: Dort, in diesen alten Hallen, Werk- und Lagergebäuden, haben sich in den letzten zehn Jahren Handwerker, Künstlerinnen, Kulturschaffende und Jungunternehmer eingenistet. Dort kann man Designmöbel und Gebrauchtwaren kaufen, Krokodilfleisch essen, im Kraftfeld alternative Kultur geniessen oder in der Trendsporthalle schwitzen.
Der Arealverein hat 90 Betriebe oder Einpersonenunternehmen gezählt, spricht von 300 Arbeitsplätzen und
17 000 Kunden pro Monat. Kurz: Der Lagerplatz ist die bunt spriessende Naturwiese auf dieser Industriebrache, die von
Investoren fleissig umgebaut und herausgeputzt wird.
«Was lebt, wird totgemacht»
Die Eigentümer des Lagerplatzes sind Sulzer und die Post. Der Staatsbetrieb hat in den 90er-Jahren 15 000 Quadratmeter gekauft, weil er darauf ein Paketpostzentrum bauen wollte. Daraus wurde aber nichts. Andere Pläne gabs keine. So konnte wachsen und gedeihen, was heute für viele ein Stück Heimat ist. Für Sulzer aber ist der Lagerplatz ein Ort der «Übergangsnutzung zur Imagebildung», wie der Konzern in einer Broschüre schreibt. Solche Orte seien «wichtig zur Belebung des Areals», weil sie «beim Aufbau des Arealcharakters helfen, Gesprächsstoff in den Medien bieten und über die Mieteinnahmen einen Beitrag zur Deckung der Unkosten leisten».
Natürlich wusste man: Irgendwann wird diese Naturwiese niedergemäht. Sulzer und Post sind ja dem Geschäft, sprich dem Gewinn verpflichtet - und mit dem Lagerplatz lassen sich in Zukunft Gewinne erzielen, die um ein x-faches höher sind als die heutigen Mieterträge.
Beide Konzerne brauchen das Areal nicht, wollen es verkaufen; sie haben nun die preistreibende Maschinerie angeworfen: Fachleute klären zurzeit ab, wie hoch und wie dicht gebaut werden kann, was städtebaulich sinnvoll ist. Dann folgt das Übliche: Wettbewerb, Investorensuche, Baggerkolonie, Abbruch, Bauetappen, schöner Wohnen, stilles Arbeiten.
«Was lebt, wird totgemacht, und das Neue, das sie dann machen, wird nicht leben - das sehen wir ja rundherum auf dem Sulzerareal», sagt ein Handwerker, der wie alle anderen Mieter auf dem Lagerplatz jetzt noch einen befristeten Mietvertrag hat, bis 2009 oder 2011.
Was auf dem Sulzerareal geschieht, ist exemplarisch für viele alte Industrieareale in diesem Land - die Rendite bestimmt den Wandel. Ein Möbeldesigner vom Lagerplatz fragt: «Warum kann man das Billige und Einfache nicht leben lassen?»
Besuch bei Martin Schmidli, Chef von Sulzer Immobilien. Der Firmensitz ist auf dem Areal selber und zeigt beispielhaft das Bemühen, Zukunft und Vergangenheit zu vereinen - topmoderne Büros in backsteinalter Hülle, drinnen fein, draussen rau, auf jeden Fall nicht billig.
Schmidli, der ein Immobilienportefeuille im Wert von einer Milliarde Franken verwaltet, sagt, der Lagerplatz heute sei «eine ganz lässige Geschichte, die das ganze Areal belebt, ja, dessen Wert mitbeeinflusst hat». Der Lagerplatz, die Trendsporthalle, das Kraftfeld, dies seien «Brands», Marken, innerhalb des Sulzerareals.
Doch der Immobilienchef muss rechnen und die Konzernvorgaben erfüllen. Deshalb sagt Schmidli: «Mit diesem Areal kann man einen viel höheren Ertrag erwirtschaften als heute.» Die jetzigen Mietzinsen seien tief, weil Sulzer nichts investiere und die Bauten nur minimal unterhalte - so mit Immobilien zu geschäften, könne sich jedoch kein Unternehmen auf die Dauer leisten. «Nur ein Mäzen kann so etwas finanzieren.»
Es gehe aber nicht nur ums Geld, betont Schmidli. Er verweist auf den schlechten Zustand der alten Bauten, vieles sei von den Behörden nur noch provisorisch bewilligt. Allein die minimalen notwendigen Investitionen, um die Auflagen zu erfüllen, seien derart hoch, dass die meisten der heutigen Nutzer die künftigen Mieten kaum mehr bezahlen könnten.
Wie Schmidli muss auch Andreas Brönnimann zuerst ans Geschäft denken. Der Chef der Post Immobilien in Bern hat «einen Auftrag des Verwaltungsrates zu erfüllen». Dieser lautet: alle nicht betriebsnotwendigen Immobilien nach den üblichen Marktregeln verkaufen, also dem Meistbietenden.
Auch Brönnimann findet den Lagerplatz heute «eine tolle Sache - doch leider ohne den nötigen Gewinn». «Es ist das Schicksal von solchen Orten, dass sie nur so lange bestehen, bis ein ertragreicheres Geschäft gemacht werden kann.»
Schmidli und Brönnimann betonen im Gespräch, dass es ihnen ein Anliegen sei, aus dem Lagerplatz etwas zu machen, an dem «Stadt, Investoren und Mieter Freude haben können». Einen toten Stadtteil wolle man keinesfalls, aber teurer werde es, das könne man nicht ändern.
«Das Diktat des Marktes»
Letzter Besuch bei einem, der seine Jugendjahre an Orten verbracht hat, wie der Lagerplatz heute einer ist, und der noch immer ein Herz hat für das Einfache und Improvisierte: Ernst Wohlwend, 59, SP, Stadtpräsident von Winterthur.
Der Mann, in dessen politischer Agenda das Thema Stadtentwicklung zuoberst steht, hat nur sehr beschränkten Einfluss darauf, was aus dem Lagerplatz wird. Doch er hat Vertrauen in Sulzer und Post, dass die nicht alles kaputtmachen. Er darf mitreden, sagen, was für die Stadt wichtig ist, «versuchen, die entfesselten Kräfte des Marktes ein bisschen zu bändigen», wie Wohlwend es nennt. Mit nüchterner Stimme spricht er vom «Diktat des Marktes», gesteht aber, dass es ihn «zeitweise bedrückt, wie dieser Markt funktioniert».
Die Post hatte ihren Arealteil einmal der Stadt zum Kauf angeboten. Doch die hat jene Millionen nicht in der Kasse, die der Boden an dieser zentralen Lage wert ist. Und für den Realpolitiker ist ohnehin klar: «Auch die Stadt kann solche Orte nicht mit Steuergeldern subventionieren.»
Wohlwend sagt, er sei überzeugt, «dass Lebens- und Arbeitsräume wie der Lagerplatz eigentlich erhalten werden sollten, dass sie einen Teil des Lebens sind.» Doch der Winterthurer Stadtpräsident weiss, dass die Politik in diesem Markt nicht viel zu sagen hat - in seiner viereinhalbjährigen Amtszeit ist in der Stadt so viel Altes abgebrochen und Neues gebaut worden wie seit langem nicht mehr.
In Winterthur läuft fast alles rund TA 28.09.2006; Seite 13
Was in Zürich stets ausgebremst wird, läuft auf dem Sulzer-Areal wie geschmiert: Seit bald zehn Jahren rollen Skater im «Block». Doch der Standort ist in Gefahr.
Von Martin Gmür
Winterthur. - Zuerst war Sand im Kugellager. Im Betriebsjahr 1998 rollten statt der erhofften 80 000 bloss 50 000 Skater und Skateboarder im Block 37. Ihren Namen hatte die neue Trendsportanlage von der alten Sulzer-Industriehalle übernommen, wo sie eingemietet war. Die Stadt hatte Starthilfe geleistet mit 100 000 Franken, nachdem - ähnlich wie jetzt in Zürich - verschiedene Projekte gescheitert waren.
Doch dann kamen die Jungs mit den weiten Hosen und den Rollen unter den Füssen in Scharen und auch aus Zürich: Der Block, wie sie ihn nannten, war etabliert. Heute besuchen laut Thomas Dinkel, dem Geschäftsführer und Inhaber, jährlich rund 65 000 Personen die Sportanlage - viele aus Zürich, St. Gallen, dem Bündnerland, sogar aus dem Ausland, denn der Ruf des Blocks erreicht die Szene europaweit.
Dinkel hatte zuvor das Tempo-Drom aufgebaut, einen Rundkurs mit elektrischen Gokarts in einer anderen Halle. Als der Block am Katharina-Sulzer-Platz einer Wohnüberbauung weichen musste, baute Dinkel ein Zwischengeschoss in die Kart-Halle, übernahm den Block und betreibt heute alles: Kartbahn, Skaterpark, Kletterwände, Beachvolleyballfeld, eine Modell-Autorennbahn und die Bar. «Es läuft gut, ich bin zufrieden», sagt der 46-Jährige. Zu den 65 000 Besuchern der Sporthalle kämen noch 50 000 Kart-Fahrer dazu. Dinkels Jahresumsatz: zwei Millionen Franken.
Joshua, 14, aus Zürich: Gut informiert
Mittwochnachmittag, draussen scheint die Sonne. Etwa 40 Kinder und Jugendliche rollen über Rampen und springen über Hindernisse, so genannte Obstacles. Joshua und Joseph (beide 14) sind aus Zürich gekommen. Etwa alle zwei Monate bezahlen die Eltern die Bahnfahrt und 7 Franken Eintritt - 12 Franken sinds für Jugendliche, 16 für über 25-Jährige. «Geil» findet Joseph die Anlage und wünscht sich, eine solche auch in Zürich zu haben. Und erstaunlich gut informiert ist Joshua: «Was? Hats wieder Rekurse gegeben in Zürich? Sch . . . !»
12- bis 17-jährig sei die Mehrheit der Besucher, erzählt Dinkel. Probleme gebe es fast keine, früher habe er gelegentlich gegen Vandalismus gekämpft. Heute werfen manche weg, was sie von McDonald's mitbringen, kiffen im Haus ist verboten. «Wir haben die Sache im Griff.» Hausverbote seien höchst selten nötig, vielleicht zwei pro Jahr. Und die Älteren nähmen erstaunlich aufmerksam Rücksicht auf Kleinere.
Zu denen gehören an diesem freien Mittwoch Janik, Elias, Yannis und Estany, alle um die zehn, alle aus Winterthur, vier Freunde mit den verschiedensten Hautfarben. «Man trifft Kollegen, und es ist lustig zu fahren», sagt einer. In die grosse und steile Schüssel, die so genannte Bowl, wagen sich die vier allerdings nur zögerlich: «Die ist voll krass.» 150 000 Franken hat diese Holzkonstruktion gekostet, eine Spezialfirma hat sie gefertigt. Neue Obstacles lässt Dinkel jeweils vom Winterthurer Markus Schweingruber entwerfen und testen, unter dem Namen Surfi ein Star der Szene. «Er kennt die Trends», sagt Dinkel.
Ungewisse Zukunft: Bebauungspläne
Eine Anfrage aus Zürich, wie ein solcher Skaterpark zu betreiben ist, hat Dinkel bisher nie bekommen. «Das wundert mich, aber ich dränge mich nicht auf», sagt er. Ihn beschäftigt momentan mehr die eigene Zukunft: In drei Jahren läuft sein Mietvertrag aus, die Stadt halte für ihn die Augen offen für einen neuen Ort. Lieber würden er und manche der anderen Nutzer dieses Teils des Sulzer-Areals bleiben: die Kulturbeiz Kraftfeld, das australische Restaurant Outback Lodge, die Velobude, der Klavierbauer, die Brockenstube, die Architekten, die Steinerschule, die Künstlerinnen, der Möbeldesigner.
90 Betriebe haben sich da angesiedelt, 30 machen mit beim Arealverein - auch Dinkel. Ziel: die Quartierkultur fördern und die Mieterinteressen vertreten. Gegenüber der Post und Sulzer, denen dieser so genannte Lagerplatz gehört und die ihn neu bebauen, höher und rentabler ausnutzen möchten. Noch dieses Jahr startet ein Wettbewerb, der zeigen soll, was sich realisieren lässt. Die ZHW hat ihr Interesse als Nutzerin angemeldet. «Vor 2012 wird da nicht gebaut», sagt zwar Markus Feer von der Sulzer Immobilien AG. Doch dass gebaut wird, steht für ihn ausser Zweifel.
Ein Eldorado für die Jungs mit weiten Hosen und Boards. Aus Winterthur, Zürich und dem Ausland kommen sie.
Geld für Block 37 TA 25.04.2002
Für die Beschaffung von neuen Geräten und Anlagen erhält die Winterthurer Trendsporthalle Block 37 von der Stadt 100 000 Franken. Das hat der Stadtrat an seiner Sitzung von gestern Mittwoch beschlossen. Zudem zahlt die Stadt einen Beitrag von 50 000 Franken für den Einbau eines Behindertenlifts. Der privat betriebene Block 37 auf dem Sulzer-Areal werde auch nach der Zusammenlegung mit dem Tempodrom eng mit dem Sportamt zusammenarbeiten, heisst es in einem Communiqué. Der Sportpass bleibt gültig, und die Winterthurer Schulklassen dürfen die Anlage weiterhin gratis benutzen. (mö)
Spass in der Schüssel TA 26.03.2002
Klettern, Skaten, Beachvolleyball und Gokartrennen - in Winterthur wird am Wochenende der umgesiedelte Block 37 eröffnet.
Von Ralf Kaminski
Was Zürich fehlt, gibts in Winterthur schon seit Jahren: 1996 öffnete die Elektro-Kartbahn Tempodrom ihre Tore, 1998 die Trendsporthalle Block 37 - beide auf dem Sulzer-Areal im Stadtzentrum. Weil der Block 37 einem Bauprojekt weichen musste, wurden die beiden Anlagen nun zusammengelegt. Am Wochenende wird die Neueröffnung gefeiert.
Die Betreiber der Trendsporthalle nutzten den Umbau, um das Angebot zu erweitern. Hauptbereiche sind weiterhin der Rollerpark für Skateboarder und Inlineskater, das Beachvolleyballfeld und die 12 Meter hohe Kletterwand. Neu ist die «Bowl», eine riesige Schüssel aus Holz zum Skaten, die vom Block 37 als Weltneuheit gepriesen wird. Daneben gibt es im neuen Block-Tempodrom natürlich die Kartbahn, aber auch Basketballkörbe, Tischtennistische, Töggelikästen und Air-Hockey.
Das neue, 6500 Quadratmeter grosse Trendsportparadies befindet sich in einer ehemaligen Sulzer-Speditionshalle auf dem Lagerplatz-Areal, nur wenige Minuten vom Winterthurer Hauptbahnhof entfernt. «In der Schweiz gibt es nichts Vergleichbares», sagt Geschäftsführer Roland Wittmann «und sogar für europäische Verhältnisse ist die vielfältige Kombination ungewöhnlich.» Entsprechend viele Anfragen erhält Wittmann aus anderen Städten über Organisation und Konzept des Block 37.
Riesenhalle voller Vielfalt
In den vier Jahren seines Bestehens hat sich die Trendsporthalle in Winterthur etabliert und finanziell stabilisiert. Die Skater machen rund 50 Prozent der Besucher aus, die meisten zwischen 12 und 20 Jahre alt. Beim Klettern ist das Altersspektrum breiter: «Da haben wir alles von 6 bis 70 Jahren», sagt Wittmann. Dank der grossen Fläche der Anlage gebe es kaum Streitereien, auch wenn ein Konfliktpotenzial zwischen Skateboardern und Inlineskatern existiere. Und in all den Jahren hat es nur einen ernsthaften Unfall gegeben, dieser allerdings war tödlich: Im Oktober 2000 stürzte ein 57-jähriger SAC-Tourenleiter von der Kletterwand und starb an den schweren Verletzungen. Die Ermittlungen ergaben laut Wittmann jedoch, dass den Block 37 keine Schuld traf.
Während der Eröffnungsabend am Freitag geladenen Gästen vorbehalten ist, können am Samstag und Sonntag auch alle anderen die neue Anlage ausprobieren. Jede Stunde verlosen die Organisatoren Kartfahrten und Gratiseintritte für den Block, ausserdem gibts ein betreutes Schnupperklettern. Für Stimmung sorgt am Samstagabend auch die Zürcher Band «Funtonic» mit Funk, Soul und Rhythm and Blues.
Block 37 macht Pause TA 26.03.2002
Skaten so lange wie möglich: Im Hintergrund wird der Rollerpark abgebaut und zum Transport vorbereitet.
Von Ralf Kaminski
Die Winterthurer Trendsporthalle ist geschlossen und wird übernächstes Wochenende neu eröffnet.
Nicht nur Skater und Kletterer tummelten sich in den vergangenen zwei Wochen im Block 37 - auch Bauarbeiter waren am Werk. Während sich ein Bagger durchs Beachvolleyballfeld pflügte und den feinen Sand in einen Container schaufelte, flitzten rundherum die Rollerblader und Skateboarder durch die Halle auf dem Sulzer-Areal. Doch nun ists vorbei mit der friedlichen Koexistenz: Der Block 37 hat seinen Betrieb am alten Ort eingestellt, damit auch die restlichen Anlagen in Ruhe abgebrochen und zur Elektro-Kartbahn Tempodrom transportiert werden können. Am Wochenende vom 6./7. April feiert die Trendsporthalle dort mit einem grossem Fest ihre Neueröffnung.
Der Umzug auf das benachbarte Lagerplatz-Areal wurde nötig, weil die "Winterthur"-Versicherungen am alten Standort schon bald mit dem Bau von 100 Familienwohnungen beginnen wollen. Der Block 37 musste früher aus seiner Halle raus als geplant; im Gegenzug beteiligte sich Sulzer an den 1,5 Millionen Franken, die der Umbau der Tempodrom-Halle gekostet hat. Damit alle Skater, Kletterer und Volleyballer Platz haben, wurde in die 120 Meter lange ehemalige Speditionshalle an der Bahnlinie ein zweiter Boden eingezogen - unten drehen wie bisher die Hobbyrennfahrer ihre Runden.
Neuer Rekord TA 10.12.2001
51 000 Eintritte hat die Winterthurer Trendsporthalle Block 37 im Jahr 2001 verkauft - 5000 mehr als letztes Jahr und so viele wie noch nie. Dies teilte Geschäftsführer Roland Wittmann an einem VIP-Apéro mit. Gar 85 000 Eintritte sind es, wenn alle Spezialveranstaltungen (Technopartys oder Afro-Pfingsten) mitgezählt werden. Wittmann rechnet mit einer Umsatzsteigerung von zehn Prozent gegenüber letztem Jahr. Bald zieht der Block 37 nun um ins Tempodrom. Laut Wittmann kommt die Baubewilligung für den Ausbau der Kartbahn-Halle auf dem Sulzer-Areal bis Mitte Dezember. Die Neueröffnung des Blocks 37 ist für Mitte bis Ende März geplant.(rk)
Spende für Tibet TA 3.12.2001
30 000 Franken konnten die Veranstalter des Winterthurer "Earthdance" am Samstag dem tibetischen Kinderhilfswerk Tendol Gyalzur übergeben. Dies ist laut Mitorganisator Michel Morgenegg der gesamte Gewinn der Tanzparty für den Weltfrieden, die am 13. Oktober im "Block 37" auf dem Sulzer-Areal stattgefunden hatte - gleichzeitig mit hundert anderen Technopartys in 50 Ländern, deren Einnahmen ebenfalls für wohltätige Zwecke eingesetzt werden. Etwa 1200 Personen kamen laut Morgenegg zum Friedenstanz nach Winterthur.(rk)
Eine WM in senkrechter Leidenschaft TA 8.9.2001
An der 6. Weltmeisterschaft im Freeclimbing messen sich in Winterthur heute im Final die weltbesten Freikletterer im Kampf mit der Wand.
Von Michael von Ledebur, Winterthur
Kein Fels, keine Abgründe erwarten den Besucher, wenn er sich an die WM der Freeclimber aufmacht. Stattdessen betritt er eine alte, fast 20 Meter hohe Fabrikhalle im Sulzer-Areal, in der alte Lastkrane an der Decke hängen und Stahlträger das Bild dominieren. Ein Ort, wie geschaffen für eine Technoparty - und tatsächlich: In der Ecke sorgt ein DJ für Musik, die in der ganzen Halle widerhallt. Doch hier wird nicht getanzt, sondern geklettert.
Fast kopfüber hängen die Athletinnen und Athleten an den zumeist überhängenden, 14 Meter hohen Wänden, immer auf der Suche nach dem nächsten Halt. Und je höher die durch Seil und Klettergurt gesicherten Climber gelangen, desto schwieriger wird die Route - zumindest in der Königsdisziplin Schwierigkeitsklettern, in der die Höhe entscheidend ist, die ein Kletterer erklimmt. Beim Geschwindigkeitsklettern dagegen treten zwei Climber im K.-o.-System gegeneinander an, in der Disziplin Bouldern müssen einzelne, besonders schwierige Hindernisse überwunden werden.
Premiere in einer Fabrikhalle
Dass nicht im Freien, sondern indoor geklettert wird, ist schon seit Jahren Normalität. Allerdings wurde bislang noch nie eine WM in einer Fabrikhalle ausgetragen. "Die meisten Athleten sind sehr erstaunt, wenn sie die Halle zum ersten Mal sehen", sagt Hans Peter Siegrist, der als Chef Leistungssport des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) und als Nationalcoach der Sportkletterer im Zentrum der Organisation steht. "Aber die Reaktionen sind überwiegend positiv." Das aussergewöhnliche Konzept wurde zusammen mit der Event-Agentur FAF verwirklicht, die unter anderem auch das Freestyle.ch-Event auf der Landiwiese in Zürich organisiert.
Die Musik, von 70er-Jahre-Funk bis Trip Hop, stört kaum einen der Teilnehmer. "Ich bekomme davon überhaupt nichts mit", sagt Alexandra Eyer. Die 20-jährige Zürcherin, die noch immer in der Ausbildung zur Bandagistin steckt, tritt in Winterthur erstmals an einer WM an. Die Konzentration, die sie alles andere vergessen lässt, ist ihr schon vor dem Einsatz anzusehen, wenn sie jeweils im Kopf alle Griffe durchspielt, die ihr die Wand abverlangen wird.
Neben der körperlichen Fitness und der Technik ist im Freeclimbing die mentale Stärke entscheidend. Jede Route ist eine neue Herausforderung, die Climber wissen nicht, was sie im Wettkampf erwartet. Um die Chancengleichheit zu gewährleisten, müssen sie vor dem Start in einer Isolationszone ihren Einsatz abwarten. Freeclimbing ist ein Kampf gegen die Wand, ein Kampf mit sich selbst. Der Wettbewerb wird weniger zelebriert als in einer Kontaktsportart. "Ich will mein Bestes geben, dann bin ich zufrieden", sagen die Schweizer Hoffnungen Simon Wandeler (27) und Annatina Schultz (24). Beide haben sich kein Ziel gesetzt, wie weit sie an der WM kommen wollen.
Der Profi aus Japan
Alexandra Eyer beurteilt die Aussagen ihrer Konkurrentin mit Skepsis. "Jede, die hier an der WM antritt, will gewinnen." Für die WM hat sie sich einen Platz unter den Top Ten zum Ziel gesetzt. Und irgend wann einmal, meint sie selbstbewusst, wolle sie die Beste sein. Der Japaner Yuji Hirayama (32) ist der Beste, zumindest in der Weltrangliste. Nun will er in Winterthur seinen ersten Weltmeistertitel holen. Auch Hirayama, der dank Sponsoren als einer der wenigen Kletterer von seinem Sport leben kann, sieht die anderen als Konkurrenten. "Aber es ist besser, sich nur auf sich zu konzentrieren. Sonst verbraucht man bloss unnötig Kraft."
Block 37 soll ins Tempodrom ziehen TA 30.8.2001
Alte Industriehalle als Sportpark: Wo heute Hobbyrennfahrer herumkurven, sollen
künftig auch Kletterer und Skateboarder ihrem Hobby frönen.
Gokart-Rennstrecke und Trendsport unter einem Dach: Geplant ist, eine alte
Fabrikhalle auf dem Sulzer- Areal für 1,5 Millionen Franken auszubauen.
Von Niels Walter
Die Trendsporthalle Block 37 auf dem Winterthurer Sulzer-Areal muss umziehen.
Der Mietvertrag mit Sulzer läuft zwar erst Ende 2002 aus, weil jedoch die
"Winterthur"-Versicherungen nächsten Frühling auf dem Areal mit dem Bau von
100 Familienwohnungen beginnen wollen, muss der Block 37 vermutlich früher
raus als geplant. "So wie es jetzt aussieht, müssen wir einen vorzeitigen Auszug
in Erwägung ziehen", sagt Martin Schmidli, Leiter der
Liegenschaftenbewirtschaftung von Sulzer. Falls der Mietvertrag früher als geplant
aufgelöst werde, sei das Unternehmen bereit, die Betreiber der Trendsporthalle
bei einer neuen Lösung zu unterstützen.
Die Lösung heisst: Der Block 37 zieht ins nahe gelegene Tempodrom, eine
riesige ehemalige Speditionshalle, in der seit sechs Jahren eine Rennstrecke für
Elektro-Gokarts steht. In den letzten zwei Tagen haben sich alle Beteiligten darauf
geeinigt, dass ein Umzug ins Tempodrom die besten Perspektiven bietet. "Das
Baugesuch ist unterschrieben und wird noch diese Woche bei der Stadt
eingereicht", sagte Thomas Dinkel, der Betreiber der Kartbahn, gestern Mittwoch
auf Anfrage. Die 120 Meter lange Halle entlang der Bahnlinie soll so ausgebaut
werden, damit Trendsportlerinnen und Freizeitrennfahrer nebeneinander ihrem
Hobby frönen können. Geplant ist, in einer Hälfte der Halle einen zweiten Boden
einzubauen. Auf diesen sollen dann die Rollbrett- und Inline-Anlagen sowie das
Sandspielfeld für die Beachvolleyballer kommen. Die gut 12 Meter hohen
Kletterwände hingegen müssen auf den Hallenboden gestellt werden.
Sulzer und Tempodrom zahlen
Die Beteiligten schätzen die Kosten für den Ausbau der Halle auf 1,5 Millionen
Franken. Gut die Hälfte davon übernimmt nach eigenen Angaben der
Tempodrom-Betreiber. Dinkel ist überzeugt: "Tempodrom und Block 37 können
viel voneinander profitieren, vor allem auch finanziell und personell."
Wie viel Sulzer genau an die 1,5 Millionen beisteuern wird, wollte Martin Schmidli
nicht sagen. Sulzer sei bereit, in die Freizeithalle zu investieren, weil man so rasch
wie möglich die Liegenschaften beim Katharina-Sulzer-Platz freimachen wolle,
um sie an die "Winterthur" verkaufen zu können. Zudem fühle man sich
gegenüber dem Block 37 auch ein wenig verpflichtet, was dessen Zukunft betrifft.
Schmidli kritisiert jedoch, dass sich in der Stadt Winterthur niemand so richtig für
die Zukunft der Trendsporthalle einsetzt. "Alle hoffen einfach auf Sulzer, das
missfällt uns." Falls sich der Baubeginn des Projekts der
"Winterthur"-Versicherungen nun aber verzögern würde (siehe Kasten) und somit
der Mietvertrag mit dem Block 37 erfüllt werden könnte, wäre Sulzer laut Schmidli
zu gar nichts mehr verpflichtet.
Mit dem Engagement an der neuen Freizeitsporthalle investiert Sulzer in eine
Liegenschaft, die ihr seit Jahren nicht mehr gehört. 1991 kaufte die Post für teures
Geld das so genannte Lagerplatzareal, auf dem neben dem Tempodrom unter
anderem auch das Kraftfeld und ein australisches Restaurant stehen. Das dort
einst geplante Post-Betriebsgebäude ist längst kein Thema mehr. Im Auftrag der
Post verwaltet Sulzer nach wie vor die Gebäude zwischen dem Bahngleis und der
Tössfeldstrasse.
"Ideale Lösung"
Der Block 37 kann frühestens nächsten Frühling ins Tempodrom ziehen. Roland
Wittmann, Geschäftsleiter der Trendsporthalle, freut sich schon jetzt auf den
neuen Standort. Er bezeichnet ihn als "ideale Lösung". Sie werde die Zukunft des
Blocks 37 längerfristig sichern. Das Tempodrom hat einen Mietvertrag, der noch
acht Jahre gültig ist.
Die Elite der Waghalsigen kommt TA 16.8.2001
Sie ächzen überhängende Wände hoch und winden sich um zerklüftete Plastikpilze: Die weltbesten Kletterer kommen für die Weltmeisterschaft ins Flachland nach Winterthur.
Von Niels Walter
Technobässe hämmerten schon durchs Stahlgestänge, Schiessbuden und Chilbibahnen, Beizen und Bühnen standen drin - die imposante Halle 54 auf dem Sulzer-Areal hat schon manche Monsteranlässe, aber auch einige Flop-Feten hinter sich. Anfang September kommts zu einer weiteren Spezialität: Der Schweizer Alpen-Club (SAC) bringt die Welt der Berghänge und Felswände in die stillgelegte Industriehalle. Alles künstlich selbstverständlich, aber steil, rissig und überhängend, als wärs in den Schweizer Alpen. Auf dem Programm steht die Weltmeisterschaft im Sportklettern - für die Gilde der steil und sportlich Emporsteigenden d e r Höhepunkt des Jahres schlechthin.
Die WM findet vom 5. bis 8. September statt und kann durchaus auch für Laien und Leute, die gegen Nackenstarre resistent sind, interessant sein. Was sich da 14 Meter über Boden an überhängenden Wänden, kniffligen Kuppen und spitzigen Stalaktiten abspielen wird, sei "vom Feinsten", kündigt Christian Blaser von der Abteilung Leistungssport des SAC an. Über 200 Athleten aus rund 25 Nationen kraxeln in drei verschiedenen Kategorien. Sozusagen ein Wettrennen in der Wand liefern sich die Kontrahenten im Geschwindigkeitsklettern: Auf los gehts los, und zwei Athleten hangeln sich in sieben, acht Sekunden eine 14 Meter hohe zerklüftete und überhängende Wand hinauf, als wärs eine glatte Kletterstange in der Schulturnhalle.
Das Schnellklettern funktioniert nach dem Cupsystem: Wer zuerst oben ist, kommt weiter, der andere ist draussen. Laut Blaser sind "die aus dem Ostblock" die schnellsten Hochgeschwindigkeitskletterer der Welt. Russen, Ukrainer und Kasachen gehören zu den Favoriten der WM 2001 in Winterthur.
Block 37 wird zur Isolationszone
In der Kategorie Schwierigkeitsklettern wird gemächlicher gekraxelt: Die Route ist bedeutend anspruchsvoller als beim Geschwindigkeitsklettern. Die Athleten versuchen, so hoch wie möglich zu klettern; der Schwierigkeitsgrad wird von Runde zu Runde erhöht. Zum ersten Mal ist auch das so genannte Bouldern eine WM-Disziplin. Zu diesem Zweck stellt der SAC drei bis vier Meter hohe Kunststoffblöcke in die Halle, die aussehen wie Pilze oder Säulen mit seltsamen Auswüchsen. An diesen Boulderblöcken hangeln und winden sich dann jene mit den besten Klammergriffen der Welt. Ziel ist, sich so lange wie möglich am Pilz zu halten und dessen Besteigung mit den wenigsten Versuchen über die Runde zu bringen.
Die Weltmeisterschaft im Sportklettern findet alle zwei Jahre statt, 1999 war sie in Birmingham, zwei Jahre vorher in Paris, 1995 in Genf. Ursprünglich war sie dieses Jahr in Biel geplant, als Veranstaltung innerhalb der Landesausstellung. Doch weil die Expo.01 verschoben werden musste und nun 2002 stattfindet, konnte Winterthur erben. "Die grosse Industriehalle von Sulzer ist ideal für die WM", sagt Christian Blaser. Die Veranstalter werden neben den künstlichen Felshängen und Steinbrocken eine Risottoküche, Wurststände und genügend Stühle für die Interessierten in die 220 Meter lange und 90 Meter breite Halle stellen. Das Budget der WM: eine halbe Million Franken.
Die Trendsporthalle Block 37 stand als Austragungsort nie zur Diskussion. Zu klein und zu wenig moderne Wände, heisst es beim Alpen-Club ( ... ) . Die Halle der Trendsportfans wird aber für die WM trotzdem benutzt - als so genannte Isolationszone. So heisst der abgeschlossene Raum, wohin sämtliche Sportkletterer verbannt werden, bevor sie in der gegenüberliegenden Halle an die Wände müssen.
Vor dem Start werden alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in corpore an die Wettkampfwände geführt, wo sie genau sechs Minuten lang vor dem Steilhang stehen und die schwierigen Stellen beäugen dürfen. Dann gehts zurück in die Isolationszone, von wo aus die international lizenzierten Titelaspiranten einzeln oder, wie beim Schnellklettern, zu zweit an den Start dürfen. Diese Regel verhindert, dass der eine dem andern abguckt, welche die günstigen und welche die vermaledeiten Passagen sind.
>> Aug. 97 - Dez. 00
|